Die Costa de la Luz: von Ayamonte nach Rota mit Cádiz und Sanlúcar de Barrameda


Als Costa de la Luz wird Andalusiens Atlantikküste bezeichnet, die von der Straße von Gibraltar bis zur portugiesischen Grenze am Rio Guadiana reicht. Ihren Namen hat sie von den wunderschönen Sonnenuntergängen am Atlantik, die die Küste in ein unglaublich intensives Licht tauchen. Unser Plan war, hier die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel zu verbringen, vielleicht auch den Winter.

Ayamonte ist ein alter Fischerort mit dem Vorteil, dass der Yachthafen recht zentral in der Stadt liegt. Dadurch ist auch ohne Auto alles gut erreichbar. Direkt nach dem Anlegen wurden wir aus einer Bar am Hafen mit lauten überwiegend spanischen Weihnachtsliedern beschallt. Anscheinend bleiben wir ungewollt immer wieder unserer Linie treu, uns Häfen mit musikalischer Untermalung auszusuchen 😀 Erwähnenswert ist auch auf der nördlichen Hafenseite die Tapas Bar El Gato Negro. Die Bedienung ist sehr freundlich, spricht aber leider kein Englisch. Aber mit Übersetzungshilfe von anderen Gästen konnten wir trotzdem leckere Tapas bestellen. In Ayamonte sehen wir auch unsere erste Stierkampfarena, allerdings ohne Stierkampf. Mit der Fähre lässt sich über den Rio Guadiana nach Vila Real de Santo Antonioübersetzen. Die Fahrt dauert nur 20 Minuten, aber durch die Zeitverschiebung von einer Stunden zwischen Spanien und Portugal gewinnt unser Tag zunächst eine Stunde. Auf dem Rückweg ist die Stunde dann auch schnell wieder verloren. Der Weihnachtsmarkt in Vila Real de Santo Antonio bot die Gelegenheit für unsere ersten vorweihnachtlichen Glühwein. Aber irgendwie ist es nicht das Gleiche, einen Glühwein im T-Shirt bei 22 Grad zu trinken statt in Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe bei null Grad Außentemperatur. In Vila Real de Santo Antonio gibt es starke Gegensätze zwischen arm und reich! Neben teuren Apartmenthäusern haben wir verfallene Lagerhallen gesehen, in denen sich Obdachlose häuslich eingerichtet haben. Nur gut, dass das Klima hier so warm ist. Zurück mit der Fähre in Spanien machten wir am nächsten Tag noch einen Tagesausflug zur Isla del Moral. In der Bar el Pescaó wurde der Fisch vom Boot direkt auf den Grill befördert, frischer geht es nicht! Die vorgelagerte Isla Canela erinnert sehr an die Sandalgarve. Ein toller Strand, leider mit einer sehr künstlichen Atmosphäre aufgrund der zahlreichen Hotel- und Apartmentanlagen.

Am 08.12. segelten wir dann weiter Richtung Osten nach Mazagón. Die Ansteuerung war einfach, nur die Tidenströmung in der Flussmündung sollte ähnlich wie in Ayamonte bei der Törnplanung berücksichtigt werden. Bei uns lag die Tide leider zeitlich sehr ungünstig,  deshalb durften wir zweimal gegen den Strom fahren 😂 Mazagón ist eher unspektakulär. Der Hafen ist abgesehen von dem „Haustier“ in der Dusche ok und am Strand gibt es sehr viele Muscheln zu sammeln. Unser Stegnachbar gegenüber hat bei seinem Motorboot mit der Weihnachtsbeleuchtung allerdings keine Kosten und Mühen gescheut und alles gegeben. Da können die Essener Lichtwochen nicht mithalten 😂🎄 Generell ist zum Sightseeing in Mazagón aber wenig Potential.

Deshalb sind wir nach zwei Übernachtungen am 10.12. direkt weiter gesegelt nach Rota bei Cádiz. Ursprünglich wollten wir noch in Chipiona an der Mündung des Guadalquivir Zwischenstation machen. Aber nach mehreren Gesprächen per Funk mit dem Hafenmeister stellte sich die Hafeneinfahrt als zu flach für uns heraus, insbesondere bei fallender Tide. Ab 16:00h wären wir dort aufgelaufen. Also ging es an Chipiona vorbei direkt weiter nach Rota, wo wir mit einbrechender Dunkelheit in den Hafen eingelaufen sind. 

Und Rota ist eine sehr gute Wahl. Niedrige Hafengebühren, der Hafen ist gut gepflegt und die Lage ideal: es sind nur 200m bis zum Strand bzw. zur Strandpromenade und Altstadt. Die Fähre nach Cádiz fährt mehrfach am Tag, und direkt in der Nachbarschaft ist eine große Militärbasis der Spanier und Amerikaner, die Base Naval de Rota. Wir werden also sehr gut beschützt 😀 Das Rota Ristorante Italiano Tuscania mit den beiden liebenswerten Hunden Rocco und Gina ist sehr empfehlenswert, und die Azúcar de Cuba Beach Bar  https://azucardecuba.com hat deutliches Stammkneipenpotential. Wir sind fast täglich dort, und der eingangs schon erwähnte Sonnenuntergang ist phänomenal! Am 12.12. gab es noch eine Überraschung: im AIS entdeckten wir ein bekanntes Boot, Axel und Mandy mit der Coogor. Vor fast 20 Jahren sind wir auf dem Ijsselmeer im NRW-Cup schon gegeneinander Regatta gesegelt, und ausgerechnet in Südspanien trifft man sich wieder! Es war ein schöner Abend beim Italiener! Auch mit Monika und Robert von der Vivere haben wir schon viel Zeit verbracht. Sie sind mit ihrem Katamaran seit sechs Jahren unterwegs und haben fast das ganze Mittelmeer erforscht. Und dann sind da noch unsere spanischen Stegnachbarn Lola und Paco von der SQUAU. Sie sind unglaublich freundlich, wir fühlen uns schon fast adoptiert 😀Paco ist in Cádiz geboren und sie luden uns am 14.12. zu einem Ausflug dorthin ein. 

Cádiz ist sehr beeindruckend, die älteste Stadt des Abendlandes, 1100 v. Chr. von den Phöniziern gegründet. Auch die Römer und Mauren haben ihre Spuren hinterlassen und die Stadt architektonisch geprägt. Der berühmte spanische Komponist Manuel de Falla ist hier geboren, und im Oratorium San Felipe Neri wurde die erste spanische Verfassung (La Pepa) geschrieben und am 19. März 1812 verkündet. Erwähnenswert sind die schönen Innenhöfe der Häuser, die engen Gassen der Altstadt, und natürlich der Manzilla in einer Weinbar und die Tapas in der Casa Lazo. Auch die Catedral de Cádiz ist einen Besuch wert. Die Aussicht vom Turm bietet einen tollen Ausblick, und Manuel Falla ist in der Krypta beigesetzt. Kolumbus startete seine zweite Reise aus der Bucht von Cádiz. Nicht zu vergessen ist der legendäre Auftritt von Halle Berry am Strand von Cádiz im James Bond Film „Stirb an einem anderen Tag“. Über Cádiz müsste man eigentlich einen separaten Blogeintrag schreiben… Am schönsten waren aber Pacos und Lolas Geschichten, die uns einen sehr intensiven Eindruck und jede Menge Spaß brachten. Pacos neuer Spitzname ist Pacopedia 😀 Vielen Dank für einen tollen Tag!!!

In der Nebensaison gibt es nur wenige Direktflüge von Jerez de la Frontera nach Düsseldorf. Deshalb starteten wir, bevor es keine Direktflüge mehr gab, am 17.12. noch zu einem spontanen Flug nach Hause, um vor Weihnachten noch einmal die Familie zu sehen. Ab dem 18.12. lag ich dann mit einer Corona-Infektion für zehn Tage im Bett und in Quarantäne. Elke schloss sich ein paar Tage später mit der gleichen Diagnose an. Nach 2021 hat der Corona Virus jetzt zum zweiten Mal unser Weihnachtsfest ruiniert☹️.  Am 31.12. flogen wir pünktlich zu Sylvester und coronafrei wieder zurück.

Abends war auf der Vivere bei Monika und Robert Grillen und Feuerzangenbowle angesagt zusammen mit Zara und Pascal von der Sirtaki, ein schöner Sylvesterabend mit vielen Geschichten aus Australien, Deutschland und Griechenland. Monika und Robert haben sich viel Mühe gegeben, vielen Dank 🥰 In Spanien gibt es zwei Traditionen zu Sylvester: zum einen trägt man rote Unterwäsche, das bringt Glück in der Liebe, zum anderen muss man um 24 Uhr, wenn die Kirchenglocke zwölfmal leutet, mit jedem Gongschlag eine Weintraube essen, das bringt Glück im neuen Jahr. Schauen wir mal, ob es funktioniert 😉

Am 02. Januar erreichte uns dann Besuch aus Deutschland, Benny Ries. Natürlich hatten wir ein volles Programm, Besuch unserer „Stammkneipe“ Azúcar de Cuba Beach Bar inklusive Sonnenuntergang ☀️ und des Rota Ristorante Italiano Tuscania. Am nächsten Tag ging es zusammen mit Lola und Paco mit der windhexe auf einen Segeltörn in die Bucht von Cádiz hindurch unter der Brücke „Puente de la Constitución de 1812“ und wieder zurück nach Rota, mit wenig Wind und viel Sonne. Auf dem Rückweg tönte Flamenco aus den Cockpit Lautsprechern, Paco de Lucía, natürlich aus der Region Cádiz 🥰

Der 04.Januar brachte uns, wieder mit Lola und Paco, einen Ausflug nach Sanlúcar de Barrameda. Auch über Sanlúcar könnte man ein eigenes Blog schreiben. Magellan hat seine Weltumsegelung hier gestartet. Es gibt einen wunderbaren Fisch- und Fleischmarkt, den Mercado de Sanlúcar de Barrameda. Sanlúcar ist berühmt für seine Kartoffeln und den spanischen Likörwein Mazanilla, der nach dem Solera-Criadera System reift. In der Taberna La Cigarerra konnten wir den Wein zusammen mit Tapas ausführlich probieren. Gegenüber von Sanlúcar liegt der Nationalpark Parque de Doñana https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Coto_de_Doñana , ein großes Vogelschutzgebiet insbesondere auch für Zugvögel.

Der 6. Januar, die Heiligen Drei Könige, ist ein wichtiger Tag in Spanien, weil die drei Könige den Kindern hier ihre Weihnachtsgeschenke bringen. Sicherheitshalber reisen die drei schon am 05.Januar an, weil sie ja in der Nacht sehr viel zu tun haben 😂 In Rota erfolgte die Anreise direkt bei uns im Hafen, natürlich standesgemäß, also mit dem Boot! Und anschließend gab es eine Prozession durch den ganzen Ort, mit Kapelle, Wagen und tausenden von Zuschauern. Bei allen Kindern konnte man in den strahlenden Augen schon die Vorfreude sehen, ihre Geschenke waren ja jetzt unterwegs 🥰 Zu den Heiligen Drei Königen isst man am 06. Januar den Dreikönigskuchen, den Roscón de Reyes. Im Kuchen ist eine Figur und eine Bohne eingebacken. Wer die Figur in seinem Kuchenstück findet, ist der König der Feier, wer die Bohne findet, muss im nächsten Jahr den Kuchen bezahlen!

Wie ich gelernt habe, sind wir hier im sogenannten Sherry Dreieck zwischen Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda. Wenn das sich weiter so entwickelt, werden wir nach Portwein, Douro, Rioja, Strandcocktails und Manzanilla irgendwann noch zu Alkoholikern  🤪

Also nichts wie auf zur nächsten Sherry Bodega!!!


7 Antworten zu “Die Costa de la Luz: von Ayamonte nach Rota mit Cádiz und Sanlúcar de Barrameda”

  1. Hola
    Alles goed met jullie?
    Wij kijken al dagen over de oceaan op Tenerife maar nog geen Windhexe in zicht.
    Hartelijk groet van ons Rink&Riny

  2. Hallo Peter en Eelke
    Wij kijken al dagen over de oceaan bij Tenerife maar nog steeds geen windhexe in zicht.
    Hartelijke groeten van ons👋👋👋🥰🥰🥰

  3. Wenn euch der Manzanilla so gemundet hat, solltet ihr euch vielleicht auch noch mal einem cask of amantillado zuwenden. Wenn allerdings die Bedenken ob des Alkohols zu groß sind, vllt lieber literarisch oder musikalisch. Bon Route!!!

    • Wir haben den Amontillado auch schon probiert, schmeckt sehr gut, hat aber mehr Alkohol als der Manzanilla bzw. Fino. Beide haben den Nachteil, dass man die Flasche nach dem Öffnen recht schnell austrinken muss, da sich durch Oxidation sonst der Geschmack ändert und der Sherry auch schlecht wird. Und damit sind wir dann beim potentiellen Alkoholproblem 😂

  4. Wow 🤩!
    Ihr habt ja schon wieder allerhand in der letzten Zeit erlebt!
    Und wie schön, dass Ihr wieder fit seid.
    Natürlich bin ich schwer begeistert von den beiden Bordkatzen! Für Snowy White wäre das leider nichts 🙀.
    Habt noch eine tolle Überwinterungs-Zeit mit Euren Segelfreunden!
    Wie Ihr ja gesehen habt, verpasst Ihr in good old Germany absolut nichts 🤷🏼‍♀️…
    Ganz lieben Gruß von M+E

    • Hallo Buurtjes.
      Wij lezen steeds goed nieuws een prachtige omgeving zoals Rota dit lijkt jullie vaste haven te worden als ik de meldingen van de Atis zie,dit wordt een grote stip.
      We hebben hier de nodige stormen gehad, we waren die periode van kerst en oud en nieuwjaar op terschelling lekker door kunnen waaien .
      Wij konden op het strand rijden we hebben hiervoor een vergunning.
      Er waren wel zo,n 80 verlichte boten in de haven maar de haven is nu bijna leeg alles naar huis voor de komende vorst periode.
      Verder gaat het hier alles goed ,wij wensen jullie nog een mooie en gezonde periode in Rota toe. Gr. Rinl en Riny.

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