Ärmelkanal und südliche Nordsee: von Boulogne-sur-Mer ins Ijsselmeer nach Workum


Beim Segeln in Tidengewässern kippt die Strömung alle sechs Stunden. Dies bedeutet, dass man entweder kurze Etappen plant mit Strom in Fahrtrichtung, oder aber alle sechs Stunden gegen den Strom segeln muss. Glücklicherweise gibt es im Ärmelkanal genügend Häfen für Zwischenstopps, sodass wir uns überwiegend für die kurzen Etappen entschieden haben. Zeit war ja noch genug, konnten wir doch erst Mitte Juli wieder in Deutschland zurück sein.

So startete unser Heimweg nach Workum am 24.06.24 in Boulogne-sur-Mer. Auf dem Weg um das Cap Griz-Nez vorbei an Calais nach Dunkerque erreichten wir nach fast einem Jahr Aufenthalt im Atlantik wieder die Nordsee und wurden natürlich von unseren Freunden, den Seehunden, begrüßt und neugierig beäugt. Dünkirchen gehört nicht zu meinen Lieblingshäfen. An jeder Ecke wird man an den D-Day, den Tag der Landung der Aliierten in der Normandie im 2. Weltkrieg erinnert, der sich dieses Jahr am 6.Juni zum 80. Mal jährt. Es ist ein wichtiger Tag an einem wichtigen Ort, aber als Deutscher fühle ich mich hier immer ausgesprochen unwohl. Vielleicht sollten wir die Vergangenheit respektieren und uns ansonsten etwas mehr auf eine gemeinsame europäische Zukunft konzentrieren!

Wir blieben am Abend im Hafen und fuhren am nächsten Tag direkt weiter nach Nieuwpoort. Niewpoort ist DAS Segelzentrum in Belgien, es gibt mehrere Yachthäfen mit vielen Booten, und ein recht teures Hafenrestaurant, das De Vierboete. Gerne genießen wir auf unseren Fahrten die lokalen Spezialitäten, aber bei den hohen Preisen auf der Speisekarte gingen wir trotz des schönen Blicks über den Hafen noch ein paar Straßen weiter zu einer kleinen Pizzeria.

Auch die Fahrt nach Zeebrugge war nicht weit. Wir kennen Zeebrugge noch von unserem Törn nach London und wurden überrascht. Der Hafen war umfassend renoviert, neue Stege, gepflegte Sanitäranlagen, alles sehr gut. Vor Oostende hatten wir auf dem Wasser vorher noch eine überraschende Begegnung mit unserem früheren Stegnachbarn aus It’Soal, Uwe auf seiner Bianca, der uns auf AIS entdeckt hatte und uns entgegen gefahren war.

Der Rest der Reise ist schnell erzählt, wir sind die Strecke ja schon mehrfach gefahren. Von Zeebrugge ging es in einem langen Schlag bis nach Scheveningen. Wir übernachteten dort lustigerweise in der gleichen Box wie auf dem Hinweg, nur ohne den stürmischen Wind. Eigentlich war dann der Plan, weiter zu den Nordseeinseln zu fahren und auf Texel, Terschelling und Vlieland die letzten zwei Wochen unseres Sabbaticals zu verbringen. Aber als der Wetterbericht ausgerechnet für diese zwei Wochen viel Wind, niedrige Temperaturen und Regen ankündigte, entschieden wir uns am 01.07. für einen schnellen Binnentörn über Ijmuiden, den Noord Holland Kanal nach Amsterdam, durch die Oranje-Sluizen ins Markermeer und nach Enkhuizen, und zum Abschluss durch die Krabbersgatsluis weiter ins Ijsselmeer bis nach Workum. Unbedingt erwähnenswert ist auch noch, dass wir von Boulogne-sur-Mer ins Ijsselmeer bis nach Workum prima Wind hatten und alle Reisen ohne Motoreinsatz (außer im Kanal natürlich) segeln konnten.

Die Fahrt der Windhexe von Boulogne-sur-Mer nach Workum

Jetzt sitzen wir hier im Hafen It’Soal mit Windstärke 8 -9 bei wechselnd Regen und Sonne in unserer alten Box, bedauern alle, für die heute die großen Ferien mit schlechtem Wetter beginnen, und es fühlt sich ein bisschen so an, als wären wir gar nicht weg gewesen. Dabei haben wir in einem Jahr insgesamt 88 teilweise mehrtägige Segelreisen unternommen, 60 Häfen und Ankerplätze besucht, manchmal auch mehrfach, und mit der windhexe eine Distanz von 3964 Seemeilen (entspricht 7342 km) zurückgelegt. Es wird eine Weile dauern, alle Eindrücke zu verarbeiten, alle Fotos zu sortieren, und wieder richtig zu Hause anzukommen. Natürlich freuen wir uns auf Familie und Freunde! Das schönste Erlebnis des Sabbaticals ist aber auf jeden Fall, dass wir wunderbare neue Freunde kennenlernen durften ❤️ Und wir müssen unbedingt neuen Manzanilla aus Sanlúcar de Barrameda kaufen, por si las moscas 😉


Eine Antwort zu “Ärmelkanal und südliche Nordsee: von Boulogne-sur-Mer ins Ijsselmeer nach Workum”

  1. Wow! Was für eine lange schöne Reise!
    Wir hoffen, Ihr zehrt noch ganz lange davon!
    (Trotzdem schön, dass Ihr wieder hier seid 😍).
    Und auf jeden Fall ist das Bier verdientermaßen für Dich, liebe Elke 🍺😘!
    Alles Liebe
    M+E+H

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