Schon mehrfach hatten wir uns vorgenommenen, in den Sommerferien an die englische Südküste zu segeln, aber Wind und Wetter hatten leider nie gepasst. Dieses Jahr sieht der Wetterbericht endlich gut aus, statt Norwegen oder Schweden besuchen wir die Fish&Chips.
Der wunderschöne Film „Das Beste kommt zum Schluss“ bzw. „The Bucket List“ mit Jack Nicolson und Morgan Freeman handelt davon, dass zwei krebskranke Männer im letzten Jahr ihres Lebens noch ihre Bucket Liste erstellen und zusammen abarbeiten. So weit ist es bei uns glücklicherweise hoffentlich noch lange nicht. Aber der zu Ferienbeginn angesagte Nordwestwind war das Beste, was uns zu Anfang des Urlaubs passieren konnte. Deshalb fiel die Entscheidung auch zugunsten der viel besser segelbaren Route von Workum über Den Oever, Den Helder über die Nordsee statt über Enkhuizen, Amsterdam bis nach Ijmuiden. Kein Motorboot fahren (abgesehen von Hafen- und Schleusenmanövern), sondern Segeln pur. Auch die Tide war günstig, so dass wir ab Den Helder mit teilweise über 11 Knoten Geschwindigkeit völlig entspannt die Küste entlang gerauscht sind. Die windhexe war in ihrem Element 😀. Deshalb kamen wir auch früher als geplant vor Ijmuiden an und beschlossen, noch direkt weiter bis nach Scheveningen zu fahren. Die Strecke bis Calais ist uns ja aus dem Sabbatical und von unserer Segeltour nach London schon gut bekannt, also kein großes Potential mehr für Sightseeing.
Am nächsten Tag ging es bei ähnlichen Wetterbedingungen vorbei an Rotterdam und der Westerschelde weiter bis nach Seebrügge. Vor Rotterdam war jede Menge Schiffsverkehr, das Queren der Maasgeul fühlte sich fast so an, als wollte man zu Fuss im AK Kaiserberg ohne Brücke die A3 überqueren🫣. Der Hafen von Seebrügge hat sich verändert. Die Bauarbeiten am Hafengebäude und Segelclub sind nun abgeschlossen, und es gibt wieder gute Sanitäranlagen. Dafür war das Restaurant auf der Mole, wo wir beim letzten Mal gegessen haben, leider nicht mehr bewirtschaftet. Am Steg lernten wir auch die Crew der „Odde“ kennen, im Sabbatical unterwegs Richtung Süden und über den Atlantik.
Nach einem Hafentag führte uns der Weg immer die Küste entlang weiter nach Dünkirchen. Auch hier war „unser“ Restaurant aus den letzten Besuchen nicht mehr da und buchstäblich verschwunden, das Haus war abgerissen. Ob das Restaurantsterben an uns liegt??? Da England seit dem Brexit leider nicht mehr in der EU ist, mussten wir auf dem Weg nach Dover eine EU-Außengrenze überqueren, was einige Formalitäten mit sich brachte. Das notwendige Visum ließ sich im Voraus online von zu Hause aus schon beantragen . Zusätzlich mussten wir aber einen sog. Passageplan bei UK Border Force einreichen, was zumindest beim ersten Mal einige Zeit in Anspruch nimmt. Wir konnten die Zeit in Dünkirchen dafür jedenfalls gut nutzen.



Unser Freund der Nordwind ließ uns immer noch nicht im Stich, und so kreuzten wir am 21.07. die Straße von Dover, eine der am meisten befahrenen Seestraßen der Welt. Aber der Verkehr hielt sich dieses Mal in Grenzen. Die Frachter waren zwar schneller als wir, hielten aber prima Abstand zu uns. Und die White Kliffs von Dover waren die ganze Zeit in der Sonne zu sehen. Die Einfahrt in den Hafen von Dover braucht wegen des regen Fährverkehrs viel Abstimmung per UKW-Funk. Zunächst die Anmeldung bei Port Control, dann die Zuweisung der Western oder Eastern Entrance, dann die Anmeldung in der Marina. Und am Steg wurden wir dann von einem sehr netten Marinero mit typischem britischen Humor in Enpfang genommen, sehr hilfreich! Auch die Kontrolle durch Border Force ließ nicht lange auf sich warten, aber danach war die Einreise dann perfekt.
Der folgende Tag wurde geprägt durch die Besichtigung des sehr sehenswerten Dover Castle. Es gibt zwar anders als im Londoner Tower keine Kronjuwelen, aber die weit über 1000-jährige Geschichte bietet viel Stoff zum Kennenlernen. Schon die Römer haben hier einen Leuchtturm gebaut. Die Tunnelanlagen unter dem Castle spieten im 2. Weltkrieg eine große Rolle bei der Operation Dynamo, der Evakuierung von Hunderttausenden alliierter Soldaten aus Dünkirchen im Jahr 1940. Im Pub Cullins Yard im Hafen anschließend war der Barkeeper sehr stolz auf das dort angebotene Deutsche Bier, das Ale mussten wir deshalb verschieben.



Von Dover aus segelten wir am 23.07. weiter nach Eastbourne, zunächst unter Gennaker bei ESE2-3. Leider drehte der Wind später auf SW3-4, es wurde eine lange Kreuz! Das war es dann wohl mit dem Nordwind. Eastbourne erinnert etwas an Vilamoura an der Algarve in Portugal. Ein reiner Retortenhafen, gut gepflegt, guter Service, aber keine richtige Atmosphäre, sondern eher touristisch. Die Schleuse ist mit ihren Schwimmstegen dafür auch für Anfänger gut geeignet. Also schnell weiter nach Brighton!
Die erste Urlaubswoche bot perfektes Segelwetter mit Sonne und guter Tide. Da wie schon beschrieben „das Beste zum Schluss kommt“, freuen wir uns auf die nächsten Wochen 😀

3 Kommentare zu “Fish&Chips statt Tapas – von Workum nach Eastbourne”
Ich wünsche Euch noch mindestens 100 Segeljahre!…. Und Viren&Bakterien lassen sich mit Whisky super vertreiben!
Habt ganz viel Spaß, Ihr beiden und immer besten Segelwind!
Alles Liebe 😘
Elke
Hört sich super an. Liebe Peter und Elke, genießt es und schreib weiter 😀 Ich hab in England den Butter Scotch Pudding genossen. Vielleicht probiert ihr ihn ? LG